Die Ursache.

Die Ursachen dafür, warum bei bis zu 1% aller Menschen eine Schizophrenie ausbricht, sind aktuell noch nicht vollständig geklärt. Historisch betrachtet, wird das Krankheitsbild der Schizophrenie seit dem Ende des 19. Jahrhunderts von anderen psychischen Erkrankungen abgegrenzt. Ein Name, der in diesem Zusammenhang, häufig fällt, ist der von Eugen Bleuler. Dieser war ein Schüler Freuds und hat während seiner praktischen Arbeit in psychiatrischen Einrichtungen versucht, die Krankheiten seiner Patienten besser zu verstehen. Im Zusammenhang mit Schizophrenie sprach Bleuler daher zunehmend auch von einer Krankheitsgruppe, da sich eine Schizophrenie bei jedem Menschen ganz unterschiedlich zeigen kann.

Heute gibt es immer noch viele Fragen, die im Zusammenhang mit dem Thema Schizophrenie noch unbeantwortet sind. Erste stichhaltige Indizien gibt es im Forschungsfeld der biologischen Ursachenforschung, die in aktuellen Modellen davon ausgeht, dass Schizophrenie statistisch gesehen das Risiko eines Kindes, im Erwachsenenalter irgendwann an Schizophrenie zu erkranken, um bis zu 40% erhöht ist, wenn beide Eltern ebenfalls von Schizophrenie betroffen sind. Bei einem betroffenen Elternteil senkt sich diese Wahrscheinlichkeit erheblich. So besteht aus der Sicht aktueller Studien die Wahrscheinlichkeit in diesem Fall von bis zu 15%, dass das Kind ebenfalls irgendwann von Schizophrenie betroffen sein kann.

 

Biochemische Erklärungsansätze

Neben den statistisch deutbaren Zusammenhängen der biologischen Vererbungsmechanismen, gibt es auch aus der biochemischen Perspektive Erklärungsmodelle, wie beispielsweise solche, die den Neurotransmitter Dopamin und dessen Wirkweise im Gehirn ins Zentrum stellen. Einen direkten Nutzen zeigen in diesem Zusammenhang Neuroleptika, auch Antipsychotika genannt, die sehr gut während akuten Psychosen auf der Ebene der Positivsyndrome (z.B. starke Halluzinationen, Wahnzustände und Verfolgungsängste) wirken und die Reizempfindlichkeit lindern können.

Diese Mittel wirken jedoch auch nicht immer, in vielen Fällen ist es auch ein Ausprobieren von Antipsychotika, die auch mit Antidepressiva und weiteren Medikamenten zusammen abgegeben werden können. Generell lässt  sich sagen, dass die Frage nach einer perfekten Gehirnchemie sehr groß gestaltet, so dass hier weiter geforscht wird, welche Botenstoffe in welchen Regionen bei Schizophrenen womöglich über- oder unterreguliert sein könnten.

Es kommen viele weitere Faktoren hinzu, die vor allem den direkten Verlauf einer Schizophrenie beeinflussen, wie beispielsweise die psychosoziale Position des Individuums und seine Fähigkeiten, mit psychischem Stress umzugehen.

So lassen sich erste Ursachenfelder erkennen, um der Frage nachzugehen, wie sie auf die Entwicklung einer Schizophrenie wirken können:

 

  • Vererbungsstatistiken
  • Biochemische Grundlagen
  • Psychosoziale Ursachen
  • Vulnerabilität

 

Genetische Ursachen

Studien weisen darauf hin, dass die Veranlagung, an Schizophrenie zu erkranken, höher liegt, wenn das Krankheitsbild in der Familie bereits aufgetreten ist.

Inwieweit soziale Prägung, Stressphasen im sozialen Leben und weitere Faktoren den Ausbruch einer Psychose fördern oder unterbinden können, ist ebenfalls nicht weiter geklärt.

 

Biochemische Hintergründe

In Bezug auf die biochemischen Ursachen geht man heute klassischerweise davon aus, dass bei der Schizophrenie biochemische Faktoren eine besondere Rolle spielen. Besonders auf der Grundlage, dass Neuroleptika besonders gut bei der Behandlung von Positivsyndromen wie Wahnzuständen und Halluzinationen wirken, lässt darauf schließen, dass der Dopaminhaushalt im Gehirn Betroffener während einer akuten Phase nicht so funktioniert wie bei den biochemischen Vorgängen bei anderen Menschen.

 

Psychozsoziale Ursachen

Leistungsdruck und Erwartungshorizonte bestimmen in der Gegenwart den Weg zum perfekten Lebenslauf. Bei vielen Betroffenen bricht eine Schizophrenie jedoch noch vor dem 30. Lebensjahr aus. In der Regel schauen viele Betroffene auch gerade auf psychotische Hochphasen während den ersten Abschlüssen und Stresssituationen wie sozialen Negativerfahrungen. Zum Beispiel bei Liebeskummer oder dem Versagen in der Schule oder während einer Ausbildung.

In vielen Fällen beginnt die Veränderung bereits Jahre zuvor. Betroffene können sich sozial zurückziehen, erleben Abbrüche im Lebenslauf und scheitern in der alltäglichen, strukturierten Interaktion mit den Mitmenschen. Konzentrationsstörungen und Antriebsverlust können depressive Verstimmungen verstärken, während im alltäglichen Umgang mit dem sozialen Umfeld besonders bei introvertierten Schizophrenen ein starker Energieverlust erlebt werden kann.

Psychosoziale Ursachen für eine Schizophrenie können sehr vielfältig sein, in der Regel sollte jeglicher Stress zunächst vermieden werden, wenn ein akuter Ausbruch oder chronische Symptome vorliegen. Im besten Fall unterstützen Angehörige den Betroffenen und geben ihm, wenn möglich, einen sozialen Schutzraum, in den er sich zurückziehen kann.

Ein großer Teil der Arbeitslosengeld II (LAG2/Hartz IV)-Empfänger leiden unter psychischen Krankheiten. Auch Obdachlose auf der Straße leiden unter Krankheiten wie Depressionen, Psychosen und Schizophrenie. An diesem Punkt muss die sanktionengetriebene Jobcenter-Maschine Betroffenen genügend Zeit geben, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden und es darf Wohnungslosigkeit als schlimmstes Resultat bei jedem regelmäßigen Versagen der minimalen Grundsicherung bezeichnet werden, wenn bekannt ist, dass der Betroffene unter einer psychischen Krankheit leidet. Auch im Fall einer akuten Schizophrenie muss sichergestellt sein, dass hier eine minimale Absicherung der Betroffenen geleistet ist.

 

Vulnerabilität

Eine besondere Vulnerabilität bedeutet, dass Stress und andere Situationen, die auf die Psyche wirken, die Wahrscheinlichkeit des Ausbruchs einer Psychose erhöhen können.