Die Krankheit.

Schizophrenie wird als eine Gruppe von Krankheitsbildern verstanden, die gemeinsam haben, dass die Betroffenen unter ähnlichen Symptomen leiden können. Hierbei sind Verschiedenartigkeit und Ausprägung der Symptome sowie der jeweilige Verlauf einer Schizophrenie so vielfältig wie die Menschen, die von Schizophrenie betroffen sind. Allgemein wird zwischen Positivsymptomen (Halluzinationen, Wahn und Ich-Störungen) und Negativsymptomen (u.a. Konzentrationsschwäche, Depressionen, sozialer Rückzug) unterschieden, die zu den charakteristischen Symptomen einer Schizophrenie zählen.

In der Forschung geht man davon aus, das für 1 % der Weltbevölkerung die statistische Wahrscheinlichkeit besteht, in ihrem Leben eine Schizophrenie zu entwickeln. Weitere Quellen sprechen auch von 0,5 % oder 1 bis 2 %. In etwa einem Drittel der Fälle kommt es zu lediglich zu einem psychotischen Ausbruch. Diese besonders kritischen Phasen eine Schizophrenie, die sich in der Form von Positivsymptomen wie Psychosen und Wahnzuständen zeigen können, treten in einem weiteren Drittel der Fälle schubweise auf, können jedoch weiter auch in einem chronischen Verlauf münden. Stress und sozialer Druck können hierbei die Anfälligkeit für psychotische Episoden verstärken.

In der Gegenwart können Medikamente wie Antispychotika, auch bekannt als Neuroleptika, in Akutphasen Positivsymptome wie Halluzinationen, Wahnzustände und Störungen der Ich-Funktion sehr gut lindern und gegebenenfalls mit Tranquilizern den betroffenen Menschen schnell und effektiv aus einem psychisch belastenden Zustand herausholen. Im Rahmen von psycho- und physiotherapeutischen Angeboten können betroffene Menschen lernen, mit ihrer Schizophrenie besser umzugehen, so dass ein selbstständiges und erfülltes Leben auch mit einer Schizophrenie möglich ist.

Weiter hilft betroffenen Menschen auch, besser zu verstehen, was eine Schizophrenie ist. In der Psychoedukation können sie lernen, welche Theorien die Wissenschaft in Bezug auf Schizophrenie bis in die Gegenwart herausgearbeitet hat. Oft hilft es hierbei auch, bestimmten Symptomen mit zunehmendem Verständnis Begriffe entgegen setzen zu können, um das schizophrene Erleben besser einzuordnen. Die Erkenntnis, dass belastende Verhaltensweisen oder psychische Zustände nicht untypisch für eine Schizophrenie sind, kann befreiend wirken, indem beispielsweise als persönliche Schwächen empfundene Negativsymptome weniger belastend auf das Gemütsleben wirken.

Mit der Bereitschaft, das innere Erleben wie auch Denkmuster und Weltbild zu hinterfragen und zu reflektieren, ist es in den allermeisten Fällen möglich, Coping-Mechanismen für eine Schizophrenie zu entwickeln. In akuten Phasen helfen Antipsychotika die Reizüberflutung und den Kreislauf aus Paranoia, Wahn und Trugwahrnehmungen zu durchbrechen. Letztere, in den meisten Fällen von extremen Angstzuständen begleiteten Episoden, können hierbei unbeschreiblich belastende Erlebnisse für Betroffene darstellen. Oft sind sie von einer inneren Verzweiflung gekennzeichnet, die die Außenwelt nicht nachvollziehen kann. Auch wenn Betroffene in einer Vielzahl von Fällen die dauerhafte Medikation mit Antipsychotika ablehnen, ist es auch für diese Gruppe ratsam, sie in jedem Fall griffbereit zu haben. Während einem besonders schweren schizophrenen Ausbruch

 

Typen von Schizophrenie und Therapiemöglichkeiten

Aktuell wird Schizophrenie in sieben Subtypen eingeteilt, wobei es hier auch fließende Übergänge gibt, so dass ein bestimmter diagnostizierter Subtyp auch typische Symptome eines weiteren Subtyps aufweisen kann. Weiter findet eine Abgrenzung zu drogeninduzierten Psychosen statt.

Aufgrund der Komplexität der Krankheit können in der folgenden Darstellung daher nur einige der häufigsten Symptome genannt werden. Da bestimmten Symptomen zudem auch andere Ursachen oder Krankheitsbilder zugrunde liegen können, sollte eine abschließende Diagnose nur durch Fachärzte erfolgen. Therapieansätze umfassen unter anderem psychotherapeutische Angebote sowie die medikamentöse Behandlung mit Neuroleptika.

 

Positivsymptome der Schizophrenie

Generell wird bei einer Schizophrenie zwischen Positiv- und Negativsymptomen unterschieden. Als positive Symptome werden unter anderem Wahnzustände, Halluzinationen und Störungen der Ich-Funktionen verstanden. Sie sind in der Regel besser diagnostizierbar als Negativsymptome, welche häufig schleichend vor einem akuten psychotischen Ausbruch zutage treten können und in vielen Fällen als chronische Begleiterscheinungen nach einem Ausbruch die Lebensqualität der Betroffenen einschränken.

In der Regel können Positivsymptome durch Neuroleptika partiell oder vollständig unterdrückt werden, so dass in besonders kritischen Phasen die Linderung einer akuten Psychose erwirkt werden kann. Eine medizinische Behandlung sollte hierbei idealerweise von psychotherapeutischen Maßnahmen ergänzt werden, beispielsweise im Rahmen einer Gesprächs- und Verhaltenstherapie, um für die Betroffenen schädliche Denkprozesse aufzuschlüsseln und zu entkräften.

Zu den häufigsten Wahrnehmungsstörungen mit einer Positivsymptomatik zählen:

  • Halluzinationen
  • Verfolgungswahn
  • Denkstörungen
  • Gedankeneingebung
  • Gedankenentzug
  • Gedankenausbreitung
  • Willensbeeinflussung
  • Fremdbestimmung
  • Größenwahn
  • Beziehungswahn

Von Schizophrenie Betroffene können demnach unter vielschichtigen Trugwahrnehmungen leiden, die von einem komplexen Zusammenspiel von sozialer Prägung, Weltbild und Interpretations- bzw. Assoziationsmechanismen des Betroffenen bestimmt werden. In kritischen Phasen tritt häufig ein verstärktes Angstgefühl hinzu und es ist möglich, dass der Betroffene sich in paranoiden Vorstellungen verliert.

So können Betroffene mit fortschreitendem Verlauf, wie auch verstärkt während einer akuten psychotischen Phase, beispielsweise zu der Überzeugung gelangen, dass sie von fremden Mächten beeinflusst oder verfolgt werden. Sie können in Wahnzustände gleiten, die sie als real und traumatisierend empfinden.

 

Negativsymptome

Unter Negativsymptomen versteht man vor allem Beeinträchtigungen des Denkens, der Gemütslage oder auch beispielsweise des Antriebs, der Motivation sowie der sozialen Fähigkeiten der Betroffenen. Sie können akuten, psychotischen Phasen einer Schizophrenie vorausgehen, aber auch nach einer Behandlung der Positivsymptome durch Medikamente die Lebensqualität der Betroffenen einschränken. Weiter können sie auch in der Form von Nebenwirkungen einer medikamentösen Behandlung in Erscheinung treten.

Zu den allgemeinen Negativsymptomen zählen unter anderem (Quelle: Wikipedia):

  • Reizempfindlichkeit
  • Unruhe
  • Depression
  • Angst
  • Sorgen
  • sozialer Rückzug
  • Konzentrationsstörungen
  • psychomotorische Störungen
  • mangelndes Selbstvertrauen
  • Energieverlust und Verlangsamung
  • Probleme am Arbeitsplatz
  • Kommunikationsprobleme
  • und weitere

Zu Positiv- und Negativsymptomen gesellen sich weitere psychische Schwierigkeiten hinzu, die sich bei jedem Betroffenen unterschiedlich äußern können. So kann es beispielsweise zu Zwangsneurosen kommen oder auch zu Selbstverletzungen. Von Schizophrenie betroffene Menschen begehen weiter statistisch gesehen häufiger Selbstmord als Gruppen anderer Betroffener von psychischen Krankheiten. Je nach Quelle geht man davon aus, dass 10 bis 15% aller Betroffenen sich das Leben nehmen.

Ein Grundverständnis seitens der Angehörigen sowie die Bemühung um ein stabiles Vertrauensverhältnis seitens der behandelnden Ärzte und Therapeuten ist daher Grundvoraussetzung dafür, um Betroffenen zu helfen, ihre Krankheit zu verstehen und mit ihr umzugehen.

 

Leben mit Schizophrenie

In der Forschung ist nicht abschließend geklärt, ob von Schizophrenie betroffene Menschen von vorneherein unter sozialen Anpassungsstörungen leiden (Non-Starter-Theorie), oder ob ein möglicher sozialer Abstieg Folge einer Schizophrenie ist (Social-Drift-Theorie).

Unter bestimmten Fachleuten werden Negativsymptome hierbei auch als eine soziale Behinderung verstanden, die es Betroffenen erschwert, sich im alltäglichen Leben zu integrieren. Sei es in Bezug auf Beziehungen, Ausbildung oder eine Erwerbstätigkeit.

Studien weisen weiter darauf hin, dass in 75% der Fälle erste Negativsymptome bis zu fünf Jahre vor einer ersten akuten Psychose auftreten. Dies begünstigt einen chronischen Verlauf, da Betroffene viele Jahre mit besonderen Schwierigkeiten konfrontiert sind. Erschwerend kommt hinzu, dass sich eine Schizophrenie häufig vor dem 30. Lebensjahr manifestiert – also in einer besonders kritischen Lebensphase, die entscheidend für die soziale und berufliche Entwicklung der Betroffenen ist.

 

Heute geht’s uns gut

Verständnis seitens der behandelnden Ärzte, Angehörigen und Vertrauenspersonen sind essentiell, um den Betroffenen ein Gefühl von Geborgenheit zu geben. Dies begünstigt den positiven Verlauf einer Schizophrenie, so dass Betroffene im besten Fall eine vollständige Genesung erfahren können. Vorwürfe derweil, dass sie verrückt seien oder sich nur richtig anstrengen müssten, um ihre Probleme zu bewältigen, sind kontraproduktiv.

Dieser Art Reaktionen führen nur dazu, dass Schizophrene ihre Erlebniswelten für sich behalten oder sich auch permanent unter einem subtilen Druck befinden. Es gilt zu beachten, dass Schizophrene häufig nicht in der Lage sind, in akuten Phasen ihre Gedankengänge kritisch zu hinterfragen und ihre Erlebnisse als real empfinden. Die Ablehnung seitens der Umwelt führt in vielen Fällen zu einer Chronifizierung der Krankheit, da Betroffene aufgrund ihrer Erfahrungen zu der Überzeugung gelangen, dass ihnen niemand helfen kann.

 

Entspannungstechniken und neue Denkprozesse im Umgang mit dem eigenen Weltbild können große Entlastungen mit sich führen. Wenn man erkennt, dass bestimmte Gedanken einem schädlich sind, kann man sie später besser durchbrechen. Besonders nach akuten Zuständen von Beziehungswahn und Angststörungen ist es wichtig, ein Weltbild zu hinterfragen, das in einem solche Gefühle weckt. Während einer Therapie können Glaubens- und Triggersysteme besprochen werden, um sie aufzuschlüsseln und ihnen die Gefahr zu nehmen oder ihre Bedeutung zu besprechen.