Gedankenausbreitung

Unter einer Gedankenausbreitung wird die Überzeugung verstanden, dass Betroffene das Gefühl haben, dass ihre Gedanken außerhalb ihrer Denksphäre wahrnehmbar sind und Mitmenschen zugänglich. Eng gekoppelt an diese Wahrnehmung sind Angstzustände.

Eine Gedankenausbreitung ist von den Symptomen des Gedankenentzugs und der Gedankeneingebung zu unterscheiden.

Gedankenentzug

Gedankenentzug während einer Schizophrenie bezeichnet die wahnhafte Überzeugung, dass einem Menschen von Kräften außerhalb Gedanken entzogen werden. Betroffene entwickeln hierbei in der Regel ganz unterschiedliche Erklärungskonzepte für diese Überzeugung.

So können sie beispielsweise überzeugt sein, dass technische Gerätschaften wie beispielsweise ein Mikrochip in ihr Gehirn gepflanzt wurde, weil eine Regierungsmacht an das spezielle Wissen des Betroffenen gelangen möchte, der in einem wahnhaften Zustand davon überzeugt sein kann, ganz besondere Fähigkeiten zu haben.

Gedankenentzug als ein Symptom der Schizophrenie ist von dem der Gedankeneingebung zu unterscheiden. Bei einer gefühlten Gedankeneingebung haben Betroffene beispielsweise die Überzeugung, dass ihre innersten Gedanken oder Emotionen von der Außenwelt extrahiert werden. Weiter gibt es auch das Phänomen der Gedankenausbreitung, bei dem Betroffene Angst haben, dass ihre Gedanken sich außerhalb von ihnen ausbreiten und von Mitmenschen beobachtet bzw. wahrgenommen werden können.

Gedankeneingebung

Wenn von einer Schizophrenie betroffene Menschen das Gefühl haben, dass ihre Gedanken fremdgesteuert von außen in sie „eingepflanzt“ werden, spricht man von dem Symptom der Gedankeneingebung. So können Betroffene beispielsweise zu der Überzeugung gelangen, dass außerirdische Mächte oder auch Regierungsmitarbeiter ihnen einen Chip eingepflanzt haben, der für das Empfinden der fremdartigen Gedanken verantwortlich ist. Erklärungen für das Gefühl einer Gedankeneingebung von außen sind hierbei vielfältig.

Das der Gedankeneingebung konträre Empfinden, also die Überzeugung, dass Gedanken dem Betroffenen entzogen werden, bezeichnet man als Gedankenentzug. Weiter gibt es auch die Überzeugung der Gedankenverbreitung, ein Symptom, bei dem ein von Schizophrenie betroffener Mensch das Gefühl hat, das seine Gedanken in der Umwelt von anderen wahrgenommen werden können.

Denkstörungen

Die Denkstörungen, die mit einer Schizophrenie assoziiert werden, sind vielfältig und zeigen sich individuell. Generell lässt sich sagen, dass eine Schizophrenie sich nicht auf die Intelligenz eines Betroffenen auswirkt. Dennoch leidet das kognitive wie auch soziale Leben unter den Einschränkungen, die Betroffene erleben.

In der Medizin unterscheidet man auf einer ersten Ebene zwischen formalen Denkstörungen sowie inhaltlichen Denkstörungen. Inhaltliche Denkstörungen zeigen sich beispielsweise in der Form von Zwangsgedanken oder auch wahnhaften Gedanken.

Bei den formalen Denkstörungen gibt es unterschiedliche Ausprägungen und Grade einer jeweiligen Denkstörung. Im folgenden einige der möglichen kognitiven Behinderungen, die bei unter Schizophrenie erkrankten Menschen vorkommen können:

  • Denkhemmung
  • Denkverlangsamung
  • Zerfahrenes Denken
  • Umständliches Denken
  • Gedankenarmut/eingeengtes Denken
  • Perseveration
  • Grübeln
  • Gedankendrängen/Gedankenjagen
  • Ideen- und Gedankenflucht
  • Vorbeireden
  • Neologismen

In der Regel leiden die Betroffenen einer Schizophrenie stark unter ihren jeweiligen Denkstörungen. Bis zu 75% aller Schizophrenieerkrankungen geht eine unauffällige Entwicklung der Negativsymptome durchschnittlich über einen Zeitraum von bis zu 5 Jahre voran.

Eine verminderte Leistungsfähigkeit und hiermit zusammenhängende Probleme im sozialen Alltag, besonders in kritischen Lebensphasen wie der Ausbildungszeit und ersten Berufsergreifung, werden daher oft nicht als Krankheit erkannt. Es ist wichtig, dass von Schizophrenie betroffene Menschen in diesem Zusammenhang besser aufgeklärt werden, damit auch Erwartungen gegenüber sich selbst und „Versagensmomente“ die Selbstwahrnehmung des Menschen nicht permanent beeinträchtigen.

 

Denkhemmung

Der Betroffene empfindet seine Gedankengänge als verlangsamt, blockiert oder auch unregelmäßig gebremst. Die Denkhemmung ist von der Denkverlangsamung abzugrenzen. Bei einer Denkhemmung steht das persönliche Empfinden des Betroffenen im Vordergrund.

 

Denkverlangsamung

Bei einer Denkverlangsamung erscheint das Denken des Betroffenen verlangsamt und stockend oder auch kontinuierlich verzögert. So können beispielsweise Gedankengänge oder auch Sätze nicht mehr zu Ende gedacht werden. Die Denkverlangsamung wird hierbei von einem Außenstehenden bemerkt, während der Begriff der Denkhemmung die persönliche Empfindung eines Betroffenen umfasst.

 

Zerfahrenes Denken

Von einem zerfahrenen Denken spricht man, wenn einzelne Gedanken und Gedankengänge des Betroffenen unlogisch erscheinen, bruchstückhaft kommuniziert werden und für Außenstehende generell schwer nachvollziehbar sind. Schizophasie ist hierbei eine besondere Form einer formalen Denkstörung bei von Schizophrenie betroffenen Menschen und bezeichnet den Zustand, wenn ein Schizophrener nur noch Wortfetzen von sich gibt oder seine Äußerungen wie ein „Wortsalat“ erscheinen.

 

Umständliches Denken

Der Betroffene kann beim umständlichen Denken nicht mehr wichtiges von unwichtigem unterscheiden, so dass Gedankengänge ausufern können und irrelevante Details in den Vordergrund rücken.

 

Gedankenarmut/eingeengtes Denken

Bei einem eingeengten Denken oder einer Gedankenarmut wird der Umstand bezeichnet, dass der inhaltliche Denkumfang eingeschränkt ist und auch die geistige Flexibilität. So können die Gedanken eines Betroffenen permanent um ein spezielles Thema kreisen. Ebenfalls ist es möglich, dass der Wortschatz verringert ist und der Betroffene nur schwer ein bestimmtes Thema wechseln kann.

 

Grübeln

Die Gedanken kreisen häufig um ein Thema, wobei die viele Denkarbeit jedoch nicht konstruktiv ist, sondern eine permanente Auseinandersetzung mit einem Sachverhalt darstellt, der von den Betroffenen häufig als unangenehm empfunden werden. Im Gegensatz zu einer Gedankeneinengung bzw. Gedankenverarmung kann der Betroffene jedoch im Gespräch mit Mitmenschen auch zu anderen Themen wechseln.


Perseveration

Betroffene müssen einem bestimmten Gedankengang immer und immer wieder folgen, wie bei einer Endlosschleife. Der Betroffene kann sich während Gesprächen wiederholen, auch wenn es eigentlich nicht in das Gespräch passt. Auch im Rahmen von Zwangsstörungen, schizoaffektiven Depressionen sowie einer Schizophrenie kann dieses Symptom auftauchen.

 

Gedankendrängen/Gedankenjagen

Gedankendrängen als Symptom einer Schizophrenie ist nicht unbekannt. Der Betroffene kann sich hierbei von den eigenen Gedanken und Ideen überfordert oder ihnen gar ausgeliefert fühlen. Beim Gedankendrängen bzw. Gedankenjagen handelt es sich um Begriffe, die sich auf das innere Empfinden des Betroffenen beziehen.

 

Ideen- und Gedankenflucht

Das Denktempo kann im Fall einer Ideen- und Gedankenflucht stark erhöht sein. Dem Betroffenen gehen zu viele Ideen und Gedanken gleichzeitig durch den Kopf, hierdurch kommt es zu sprunghaften Gedankengängen und der Betroffene kann sich nur schwer auf ein Thema konzentrieren.

 

Vorbeireden

Es werden Fragen nicht beantwortet, obwohl sie wahrgenommen wurden, während gleichzeitig keine Absicht bestand, sie zu ignorieren und weiterzureden.

 

Neologismen

Es werden neue Begriffe erfunden, die für Außenstehende nicht immer leicht entschlüsselbar sind. Auch bei von Schizophrenie betroffenen Menschen wird die Neigung zu Neologismen des Öfteren beobachtet.

 

Verfolgungswahn

Verfolgungswahn während einer Schizophrenie kann sich in vielen verschiedenen Formen zeigen. Kennzeichnend für einen Wahn ist es, dass das Denken gestört ist und schädliche Vorstellungen wie auch Überzeugungen auftreten, die nicht der Realität entsprechen.

Hierbei können von Schizophrenie betroffene Menschen – bereits lange Zeit vor einer akuten Psychose – über die Jahre ein verstärktes Misstrauen gegenüber der Umwelt aufbauen und sich sozial zurückziehen. Mit der Zeit können sich Glaubens- und Denkmuster verfestigen, die sich auf den Betroffenen negativ auswirken.

Bestimmte Wahnvorstellungen, wie zum Beispiel, dass die CIA oder NSA den Betroffenen verfolgt, weil er über spezielle Fähigkeiten als Telepath verfügt, können sich schleichend aber auch plötzlich entwickeln. Während akuten Psychosen, gepaart mit Schlaflosigkeit, Erschöpfung und starken Halluzinationen, können Betroffene glauben, dass sie von Außerirdischen bedroht werden oder sich vor bestimmten Verschwörungsszenerien fürchten.

Auch die Angst vor übernatürlichen Einflüssen nimmt eine starke Rolle bei Wahnzuständen ein. Hinzu kommen eine Vielzahl von möglichen Halluzinationen, die den Verfolgungswahn verstärken und Betroffene in verzweifelte Situationen bringen.

Beziehungswahn

Beziehungswahn ist ein sehr komplexes Syndrom und kommt bei einer Schizophrenie relativ häufig vor. Betroffene glauben hierbei, gewisse Zusammenhänge zu erkennen, die nur sie wahrnehmen können. Dieses Denken kann die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränken, da sie in wahnhaft-paranoide Geisteszustände gelangen können, die ihre gesamte Weltsicht beeinflussen. Hierbei manifestiert sich ein Beziehungswahn auch oft über die Jahre bevor es zu einem ersten, psychotischen Ausbruch kommt.

Ein Beziehungswahn lässt sich nicht eindeutig definieren, jedoch gibt es Anzeichen für Beziehungswahn, die erkannt werden können.

  • Betroffene beziehen äußere Ereignisse auf sich
  • Betroffene nehmen gehäuft bedeutungsvolle Zufälle wahr
  • Betroffene reagieren auf scheinbar nicht bedeutsame Kleinigkeiten

Häufig vermischt sich der Beziehungswahn mit einem magischen Denken, so dass es während einer Therapie sehr wichtig ist, die Symbolsysteme, die dem jeweiligen Beziehungswahn zugrunde liegen, tiefer zu entschlüsseln und eventuell sogar traumatherapeutisch zu entkräften.

Die Gefahr, dass ein Beziehungswahn als Positivsymptom sich chornifiziert, ist durchaus gegeben. Es ist ein sehr schwieriges Thema, da persönliche Überzeugungen in der Regel sehr tief sitzen, so dass eine Offenheit des Betroffenen, seinen Beziehungswahn aufzuarbeiten, sehr wichtig ist, um beispielsweise im Rahmen einer Verhaltenstherapie besonders schädliche Formen von Beziehungswahn zu lindern oder auch zu heilen.

Halluzinationen

Es gibt eine Vielzahl von Halluzinationen, unter denen ein von Schizophrenie Betroffener in einer akuten Phase wie auch chronisch leiden kann. Zu diesen zählen unter anderem:

  • Akustische Halluzinationen
  • Optische Halluzinationen
  • Geruchshalluzinationen
  • Geschmackshalluzinationen
  • Leibhalluzinationen

Abhängig von Ausprägung der Halluzinationen wie auch der psychischen Vulnerabilität eines Betroffenen, können Halluzinationen während einer akuten psychotischen Phase sehr bedrohlich auf den Erkrankten wirken. Sogenannte Antipsychotika bzw. Neuroleptika können besonders bei dieser Art von Positivsyndromen einer Schizophrenie Linderung bringen, indem sie auf den Botenstoffhaushalt im Gehirn des Erkrankten wirken.

 

Akustische Halluzinationen

Akustische Halluzinationen einer Schizophrenie zählen zu den bekanntesten Symptomen der Schizophrenien. Klassischerweise berichten viele Betroffene von Stimmen im Kopf, die jedoch nicht im Verlauf jeder Schizophrenie Teil des Krankheitsbildes sein müssen. In Bezug auf diese internen Trugwahrnehmungen gibt es mehrere Konstellationen. So können schizophrene Menschen Stimmen im Kopf hören, die einen beschimpfen, Situationen kommentieren oder auch, und das in seltenen Fällen, Handlungsanweisungen geben (sogenannte imperative Stimmen).

Eine weitere Form von akustischen Halluzinationen ist die Wahrnehmung von Geheimbotschaften in Medien wie dem Fernsehen oder Radio. Manche Betroffene erkennen selbst Bedeutungsverschiebungen der gesprochenen Worte im direkten Gespräch mit Mitmenschen. Zusammen mit einem stark ausgeprägten Beziehungswahn können sich schizophrene Menschen hierbei in Wahnvorstellungen hineinsteigern, wenn sie sich beispielsweise von einem Lied, das im Radio läuft, angesprochen und ihre Lebenssituation kommentiert fühlen.

Auch Halluzinationen im Zusammenhang mit Geräuschen sind bekannt. So können Betroffene normale Geräusche wie ein Knacken, einen Windhauch und anderen Input fehlinterpretieren. Je nach Ausprägung der Schizophrenie und einer hiermit einhergehenden Reizempfindlichkeit sind eine Vielzahl an akustischen Halluzinationen möglich.

 

Optische Halluzinationen

Auch die Reichweite von optischen Halluzinationen ist groß. So können von Schizophrenie betroffene Menschen Lichterscheinungen und andere optische Effekte wahrnehmen, wie auch sogenannte Visionen, die sich bilder- und detailreich zeigen.

 

Geruchshalluzinationen

Für manche Menschen wirken Gerüche wie Trigger, die sie an gute Momente wie auch negative Ereignisse erinnern können. Geruchshalluzinationen bei Schizophrenen können sehr vielfältig sein, oft werden sie jedoch in der Form von negativen Gerüchen wahrgenommen. Zu diesen zählen unter anderem chemische Gerüche, wie beispielsweise Rauch, Gas oder Reinigungsmittel. Aber Betroffene berichten auch davon, dass sie beispielsweise Verwesungsgerüche und andere, sehr unangenehme Gerüche wahrnehmen können.

 

Geschmackshalluzinationen

Auch Geschmackshalluzinationen können eine Schizophrenie begleiten, sie werden ebenfalls wie Geruchshalluzinationen in der Regel als unangenehm empfunden. Betroffene berichten von Geschmackshalluzinationen, die sich beispielsweise als chemisch, giftig oder verwest zeigen. Besonders in psychotischen Phasen ist es möglich, dass Betroffene beispielsweise das Gefühl haben, Blut anstatt eines Traubensafts zu trinken.

 

Leibhalluzinationen

Leibhalluzinationen, also Trugwahrnehmungen, die das Körpergefühl betreffen, gehören ebenfalls ins breite Spektrum an möglichen Halluzinationen, die eine Schizophrenie begleiten. Betroffene können beispielsweise dem Wahn unterliegen, dass sie nicht mehr Herr ihres eigenen Körpers sind oder fremdbestimmt werden. Auch eine Entfremdung vom eigenen Körper bzw. eine gestörte Selbstwahrnehmung können hier als Leibhalluzinationen während einer Schizophrenie auftreten.

Dopaminhypothese

Die Dopaminhypothese der Schizophrenien bezeichnet die Hypothese, die besagt, dass ein Zusammenhang zwischen dem Neurotransmitter Dopamin und den psychotischen Krankheitsbildern der Schizophrenien besteht.

In der Gegenwart beleuchten Botenstoffhypothesen im Zusammenhang mit psychischen Krankheiten das Zusammenwirken der vielen Botenstoffe im Gehirn des Menschen näher, so dass neben den Wirkmechanismen von Dopamin auch weitere Botenstoffe im Zusammenhang mit Schizophrenie untersucht werden.

Dopamin

Dopamin ist ein zentraler Neurotransmitter im Nervensystem des Menschen. Oft spricht man im Zusammenhang von Dopamin auch von einem Glückshormon. Generell wird Dopamin für viele lebensnotwendige Steuerungs- und Regelungsvorgänge des menschlichen Körpers benötigt. So besteht auch ein starker Zusammenhang zwischen Dopamin und der Psychomotorik.

Neuronen, in denen Dopamin vorkommt, werden dopaminerg genannt. Dopaminerge Systeme kommen im Zentralnervensystem vor und steigen vom Mittelhirn bis zum Endhirn und Zwischenhirn auf. Aber auch für das vegetative Nervensystem spielt Dopamin eine besondere Rolle, beispielsweise bei der Durchblutung von Organen.

Seit den 1970ern wird diskutiert, ob Dopamin bzw. eine Überproduktion im Organismus bei Schizophrenien eine besondere Rolle spielt. Diese Diskussion ist auch unter dem Stichwort Dopaminhypothese der Schizophrenien weiter zu verfolgen.